Daddy Cool

Schon aufgefallen? Die Deutschen sitzen wieder im Strassencafe. Besser gesagt, sie zelebrieren es.  Das fängt mit der Sitzposition an. Den Arsch an der vorderen Stuhlkante, die Beine ausgestreckt oder lässig übereinandergeschlagen (in der Knöchel-auf-Knie-Variante, sieht noch entspannter  aus als Oberschenkel auf Oberschenkel), die Arme hinter dem Kopf verschränkt, falls nicht gerade am Handy herumfingert wird, um den Facebookfreunden mitzuteilen, dass man in der Sonne sitzt, kurzum: in dieser vermeintlich coolen Pose, die mit jeder Faser des Körpers signalisiert, um nicht zu sagen hinausschreit: „He Leute, ich bin Daddy Cool, der Lebenskünstler vom Dienst“! Soviel zu den Männern.

Bei den Frauen fällt vorallem auf, dass sie tagsüber die Gesichter wie Satellitenschüsseln millimetergenau auf die Sonne ausrichten, als ob es sich um eine nicht erneuerbare Ressource handeln würde, von der nur noch ein schnell dahinschwindender Restbestand existiert. Abends ist dann das sich in diese kuscheligen Decken einhüllen angesagt. Bei den Damen lasse ich es durchgehen, da lautet die Botschaft: „Ich bin fragil und schutzbedürftig, sprich feminin, aber ich trotze tapfer den Unbillen der noch kalten Frühligsnächte!“ Beim Mann bedeutet es für mich einfach nur:  „Ich bin ein Weichei!“

Kurzum: ich habe nie verstanden, was so toll daran sein soll,  in einem womöglich direkt an einer vielbefahrenen Strasse gelegenen  Freiluftcafe zu sitzen, wenn  der angenehm temperierte marmorgeflieste Innenraum die Alternative darstellt. 

 Fazit: Im Strassencafe zu sitzen hat mit Champagner, Analverkehr und Trüffeln  eines gemeinsam:   Alle drei werden masslos überbewertet. OK, Vergleiche waren  noch nie meine Stärke!

***

Ein Phänomen, das nicht strassencafespezifisch ist, aber dort besonders nervt: Es hat sich allgemein eingebürgert, dass man in Lokalen und öffentlichen Verkehrsmitteln nicht nur einen Sitzplatz für sich beansprucht, sondern auch für  mitgeführte Taschen, Einkaufs-tüten und sonstige Utensilien, die konzentrisch um einen herumgruppiert werden. Platzsuchende Gäste / Fahrgäste werden erste einmal so gut es geht ignoriert. Falls diese es wagen, in devotem Tonfall die Bitte zu äussern,   die Zweckentfremdung der belegten Plätze möge doch bitte rückgangig gemacht werden, wird man erst einmal angeschaut, als ob man von einem andern Stern kommt. Dann zieht der Angesprochene eine beleidigte Fress , als ob er garade informiert worden sie, HIV positiv zu sein. An diesem Punkt mache ich dann meistens einen Rückzieher, nicht ohne die betreffende Person wissen zu lassen, dass ich neben so jemandem nicht sitzen möchte.

Es ist bekannt, dass im Showbusiness  mehr gekokst wird als sagen wir mal
im Kloster oder im Innenministerium. Inzwischen hört man aber immer häufiger Gerüchte, dass auch einzelne i.d.R. jüngere Kabarettisten dieser Droge nicht abgeneigt sind, weil der Leistungsdruck speziell bei hoher Fernsehpräsenz (da kann ich ja nun gottseidank nicht mitreden) immer grösser wird.

Wenn Sie mich fragen (aber mich frägt ja keiner): Ich finde, das ist nicht in Ordnung! Das ist unlauterer Wettbewerb! Das ist Doping! Die koksen sich den Wolf und verschaffen sich dadurch eine Bühnenpräsenz, die sich gewaschen hat, während sich unsereins – als verantwortungsvoller Familienvater – gerade mal ein Glas Rotwein zum Essen gönnt. Man hat schliesslich die teuren Internate der Kinder, die wegen Kiffens von der normalen Schule geflogen sind, zu finanzieren. Falls es sich nicht gerade um Salem im Allgäu handelt, wo inzwischen Drogentests eingeführt wurden, ist allerdings die Aussicht auf Drogenabstinenz eher theoretischer Natur, Internate gehören  nun mal zu den zugkräftigsten Drogendealermagneten.

Advertisements

Über christianueberschall

I am a strange and amazing guy!
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Daddy Cool

  1. Aurel Bereuter schreibt:

    Sehr geehrter Herr Überschall,

    ich schätze Ihre scharfzüngigen Beobachtungen, die das alltäglich Banale zu etwas Besonderem werden lassen, weil sie Ihren (zugegebenermaßen für bestimmte Themen vorkalibrierten) Filter passieren. Ihren Blog sollten Sie weiterhin pflegen, weil es Ihnen ganz offensichtlich sehr gut tut sich Ihrer Umwelt mitzuteilen. (das meine ich durchaus liebevoll) Mich sprechen Ihre Verknüpfungen und Feststellungen auf alle Fälle an.

    Da Sie vorgestern meine Frau auf dem Max Weber Platz sehr charmant angesprochen haben, erlaube ich mir, Sie in meine Show
    „Die Psyche der Frau- eine Beziehungssafari“ einzuladen (Sa. 21. Mai im Fraunhofer Theater, Beginn 20:30- Karte liegt an der Abendkasse)

    Wie ich gehört habe können Sie nur den ersten Teil sehen, was etwas bedauerlich ist, weil der zweite rasanter ist und mehr weiblich/männliches Konfliktpotential in sich birgt. Abgesehen davon möchte ich erwähnen, dass ich vom Theater komme, ich bin also Geschichtenerzähler und interessiere mich für eine Entwicklung, die über den ganzen Abend läuft. (soll heissen: ich bin kein Pointen MG- was ich aber mit meiner schauspielerischen Präsenz und meinem Mutterwitz glaube ich wettmache.)

    Übrigens: ich behaupte (ähnlich wie Sie im Schlachthof) im Laufe meiner Safari hier in Bayern als Österreicher „Asylwerberstatus“ zu besitzen. Ich sage dann auch, dass ich mich in den Asylbaracken am Ingolstädter Nordbahnhof sauwohl gefühlt habe, weil da fast keine Piefke waren…

    Auf alle Fälle freue ich mich, wenn Sie vorbei schauen.
    Ansonsten begegnen wir uns bestimmt mal am Max Weber Platz.

    Behalten sie Ihren Humor und bloggen Sie weiter was das Zeug hält.
    Mich haben Sie als Leser gewonnen.
    a guate Zit (ich bin Vorarlberger müssen Sie wissen)
    Aurel Bereuter
    P.s: Beim Thema „Seminar, Coach, Mediator,…“ habe ich mich ertappt gefühlt. Schauen Sie mal rein unter http://www.huetten-seminare.at

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s