Quickies III

Ja, z.Z. habe ich es mit Quickies, ich finde, dafür eignet sich ein Blog hervorragend, einfach loswerden, was einem an Beobachtungen, spontanen Gedanken und Erkenntnissen so durch den Kopf schiesst, und wenn es sich dann in einem Jahr immer noch interessant anliest, kann man es getrost als Buch veröffentlichen. Ein anderer aktueller Plan von mir: Eine Bühne oder ein Lokal finden, wo ich einmal im Monat eine Lesung aus dem Blog der letzten Wochen lese (wenn es sonst schon keine Sau liest), dazwischen Klaviermusik allein oder – und das wäre dann wirklich die Krönung, im Duo oder Trio mit kongenialen musikalischen Partnern (da zeichnen sich übrigens gerade ein paar sehr reizvolle Optionen ab) – interessierte Kneipen- oder Bühnenbesitzer bitte melden.

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An Tagen, an denen ich gut drauf bin, weise ich auch mal Leute zurecht, die sich im öffentlichen Raum daneben benehmen, die z.B.  in der U-Bahn ihre Füsse samt Schuhen auf die gegenüberliegende Bank legen oder die meinen, ihre Reisetasche sei zu kostbar, um mit dem Boden in Berührung zu kommen und im vollen Zug eine ganze Bank damit belegen.
Wenn sich der dazugehörige Typ allerdings mit einem Klappmesser die Fingernägel säubert, dann lass ich die Zurechtweisung auch mal spontan bleiben.

Gestern wollte  ich  mit dem Radl an der Prinzregentenstrasse/Ecke Triftstrasse  in den Englischen Garten einbiegen. Jetzt versperrte  ein protziger BMW  nicht nur den Eingang zum Garten, sondern er stand –  parallel zu Strasse – auch noch genau auf dem Radweg, kurzum: bescheuerter kann man sich nicht mehr hinstellen. Im Auto sass ein junger Schnösel mit Sonnenbrille,  völlig entspannt, den linken Arm lässig aus dem Fenster hängend, als ob es völlig normal wäre,  dort zu parken, es fehlte nur noch, dass er die  Rückenlehne nach hinten geneigt hatte. Da die Pose nicht darauf schliessen liess, dass in seiner rechten  Hand ein Klappmesser auf den Einsatz wartete, erlaubte ich mir den dezenten Kommentar „Hast du sie eigentlich noch alle?“ Darauf er leicht irritiert: „Seit wann sind wir per Du?“ Ich muss gestehen, dass ich auf diese Antwort nicht vorbereitet war, ihr allerdings eine gewisse Coolness nicht absprechen konnte. Fortsetzung im nächsten Blog! (im Kino nennt man das Cliffhanger!).

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Mensch, das war ja gar kein Quickie, das war schon fast eine Story, sogar mit einem etwas weiter ausholenden Vorspann! Drum jetzt doch noch ein paar Quickies (übrigens: in Bern läuft alles unter Quickie, wofür man nicht extra einen Tag frei nehmen muss). Also: Vor kurzem habe ich in der SZ ein sehr schönes Interview von Rebecca Casati mit Julian Fellowes gelesen, der sehr spät im Leben mit einer Fernsehserie, die im britischen Adelsmilieu spielt,  plötzlich extrem erfogreich wurde (wenn man  „Fernsehserie“ durch „Kabarett und Bücherschreiben“ ersetzt, ist er ein heimliches Vorbild von mir). Es war eines dieser seltenen Interviews, die aus klugen Fragen und noch klügeren Antworten bestehen. Ein Satz ist mir besonders in Erinerung geblieben, der sinngemäss lautete: „Das spannende am Internetzeitalter ist seine Fluidität!“

Ein grossartiger Satz, der alles auf den Punkt bringt, sowohl die Chancen als auch die Gefahren unseres durch neue Kommunikationswege geprägten Zeitalters. Wenn das mal nicht alles zu fluid wird! Ein entscheidender Grund für den Niedergang von Sozialen Systemen ( Firmen, Fussballvereine, Völker, ja sogar ganze Zivilisationen) ist nicht selten, vielleicht sogar meistens, ihre Starrheit. Ein gutes Beispiel sind die kommunistischen Länder, wohingegen die Überlegenheit des Kapitalismus auf  seiner Flexibilität basiert. Aber wenn aus Flexibilität eine amorphe Fluidität wird, kann es gefährlich werden (siehe Finanzsysteme, Werterverfall etc).  Jedes System braucht ein gesundes Mass an Stabilität und festen Strukturen. Wenn immer öfterFirmenbosse, die von einer völlig unkritischen Wirtschaftspresse  zum Manager  des Jahres hochgejubet wurden,  zwei Jahre später im  Knast sitzen, dann ist etwas faul im Staate Dänemark (siehe auch meinen Artikel „Schnelllebigkeit“ vom  25.4. 2011, da fällt mir gerade ein: der ist noch nicht freigeschalter, wird aber demnächst passieren)

Fussnote zu diesem Thema: eine fast unvermeidliche Folge von Starrheit besteht darin,  dass  Institutionen   ihre Nützlichkeit überdauern, i.a.W. sie machen auch dann weiter, wenn sie ihre ursprüngliche Funkton längst nicht mehr erfüllen, und wir sprechen hier von  Jahrzehnten, wenn nicht sogar von Jahrhunderten. Gute Beispiele:  Zollstationen / die zölibatäre Kirche, wobei ich gelesen habe, dass rd. 20 % der katholischen Priester sexuelle Beziehungen zu Frauen unterhalten (ohne die Einschränkung „zu Frauen“ wäre der Prozentsatz bedeutend höher). Jetzt überlege ich mir tatsächlich, ob ich durch das Zölibat meine Chancen verbessern könnte!

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So, wäre doch gelacht, wenn wir nicht noch ein echtes Quickie hinkriegen: Neulich im Biergarten: Meine Freund Bernhard wird von seinem Sohn in Hamburg angerufen und gebeten, er möge doch auf seinem iPhone nachschauen, wann die letzte U-Bahn von der Haltestelle Landungsbrücken in Richtung Mümmelmannsberg fährt.  So finden Informationen auf verschlungenen Pfaden ihr Ziel!

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Es geht noch quickiemässiger: Was nützt die schönste Frau im Bett, wenn es die eigene ist!

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Über christianueberschall

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