Die neuen Muttis

Früher bedeutete bei jungen Paaren das 1. Kind  der Übergang vom Cool-sein-Modus in den Spiessermodus (i.S. von verantwortungsvoll, fürsorglich und bereit, ein paar Jahre auf gewisse Dinge zu verzichten). Heute versuchen die jungen Mamis, beides zu kombinieren und stürmen zum Schrecken der Stammgäste immer mehr In-Cafes, wobei die Kinderwägen eine Art Wagenburg bilden. Den i.d.R. zusätzlich anwesenden Kindern, die aus dem Kinderwagenalter heraus sind, werden bezüglich akustischer und räumlicher Selbstverwirklichung keine oder nur minimale Restriktionen auferlegt. Genauso stolz und demonstrativ werden Kinder, die noch im Bauch sind, zur Schau gestellt. A propos Kinderwägen: Da hat sich ja eine neue Spielwiese für Designer aufgetan. Folgerichtig gelten Pflichtkomplimente bei der ersten Besichtigung eines  Kindes durch Freunde immer häufiger nicht dem Kind, sondern  dem Kinderwagen.

Dieser neue Muttertyp hat auch völlig andere Gesprächsthemen als unsere Mütter. Teilweise wird bereits beim Bäcker über den Unterschied zwischen dem vaginalen („..ach, geben Sie mir doch noch ein Baguette“ und dem klitorialen („…nein, doch lieber nur ein Croissant“) Höhepunkt diskutiert.

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Ein erwachsener Mann im Anzug, der sich mittels eines der wenigen noch existenten  Rollbretter fortbewegt, die sich vor ein paar Jahren  epidemieartig ausgebreitet haben und genau so schnell wieder verschwunden sind, hat für mich etwas leicht pädophiles!

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Zum Schluss der Spruch des Tages, diesmal von Kurt Krömer: „Deutschland braucht einen 3. Weltkrieg. Guido Knop[1]  ist mit den ersten beiden fast durch!“


[1]  extrem erfogreicher Historiker/Dokumentarfilmproduzent, der gefühlte 50% des ZDF Programms im Alleingang unter dem Sammelbegriff „History“ bestreitet

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Literaturagent

Ich habe vor zwei Wochen zufällig (genauer gesagt, weil mich eine befreundete Wissenschaftsjournalistin mitgeschleppt hat) den Vortrag eines auf Sachbücher spezialisierten Literaturagenten angehört und war überrascht zu hören, dass die Verträge mit den Verlagen i.d.R. nicht aufgrund des fertigen Buches, sondern  eines Exposees geschlossen werden. Offensichtlich nach dem Motto: Hauptsache, es handelt sich um ein Thema, das in der Luft liegt, möglichst in Kombination mit einem zugkräftigen Titel, das Buch dazu werden wir dann schon hinkriegen. Falls ein Projekt besonders erfolgversprechend erscheint, organisiert der Agent eine Auktion unter den Verlagen.

Bei wichtigen aktuellen Ereignissen (z.B. die revolutionäre Situation in den Mittelmeerländern oder die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko) kann sich das Intervall zwischen Ereignis und fertigem Buch auf wenige Wochen verkürzen. Die Vermarktung eines solchen „Events“ läuft i.d.R. wie folgt ab:

Ereignis
1 Tag später: das T-Shirt dazu ist erhältlich
2 Tage später: die ersten Witze kursieren im Internet
3 Wochen später: Das Buch wird an den Buchhandel ausgeliefert
6 Monate später: der Film kommt in die Kinos
9 Monate später: in der „Berner Zeitung“ erscheint ein kritischer Leitartikel zu den unmittelbaren Folgen 

Nun ist ja meine Philosophie schon immer gewesen: Die wichtigste Qualität eines künstlerisches Produkts, egal ob Buch, Musik oder bildende Kunst, ist seine Authentizität, oder in der genialen Formulierung von Marcel Ophüls: es muss einem persönlichen Mitteilungsbedürfnis entspringen. Es darf sich nie primär am Markt orientieren. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich dieses Prinzip seit der Einführung der Bestsellerlisten nach und nach umgedreht hat. Die eigenwilligen Verlegerpersönlichkeiten der Vergangenheit, die noch Bauchentscheidungen gefällt haben, sind merkantilen  Kaufleuten gewichen, die ganz genau wissen, wie der Markt funktioniert, deshalb werden jedes Jahr gefühlte 80 000 Titel veröffentlicht, von denen 99% sang- und klanglos untergehen.

Ich habe dem Agenten aber dann trotzdem am nächsten Tag eine Mail geschickt und ihn um eine Einschätzung meiner beiden neuen Buchprojekte „Cunnilingus ist kein Honigschlecken – Kleines Kompendium der Sexualität“ und „Wenn Treue Spass macht, ist es Liebe – Kleines Kompendium der multiplen Beziehung“ zu bitten. Dabei war meine Vorgabe: wenn er nicht in spätestens zwei Tagen antwortet, dann vergiss es – soviel Stolz habe ich mir bewahrt.

Umso  erfreuter war ich, als nach vier Stunden die Rückmeldung kam, in der die Titel als „ganz wunderbar“ gelobt  und um ein Exposee gebeten wurde. Besonders angetan hat es mir dieses „ganz wunderbar“, es klingt so schön altmodisch, ist dabei aber der Qualität der Titel durchaus angemessen. Ich habe dem Agenten dann mitgeteilt, dass zu beiden Titeln bereits ein ausgereiftes zweistündiges Bühnenprogramm existiert, bei „Cunnilingus“ sogar eine CD, und dass es im wesentlichen darum geht, aus diesen Programmen ein Buch zu machen, was wesentlich einfacher ist als umgekehrt, da ein wirklich gutes  Bühnenprogramm immer ein Destillat aus der zwei- bis dreifachen Textmenge darstellt, d.h. ich muss es nur „entdestillieren“ (=silliern?), ähnlich wie bei Orangensaft  aus Orangensaftkonzentrat). Ein gutes Gefühl: Selbst wenn ich plötzlich von einer Schreibblockade befallen werden sollte, könnte ich in kürzester Zeit liefern.

Ich habe dem guten Mann dann die Cunnilingus CD und  fünf  A-4 Seiten mit Textproben sowie eine zugegebenermassen ungeordnete Sammlung von möglichen Kapitelüberschriften zugemailt. Als erstes kam eine Abwesenheitsnotiz. So weit so gut, schliesslich standen die Osterferien vor der Tür. Pünktlich nach Ostern  kam dann die Reaktion, jetzt schon deutlich weniger enthusiastisch,  mit einer nochmaligen Bitte um ein nach den Agenturrichtlinien erstelltes Exposees. Ich müsste Verstännis dafür haben, dass für das Lesen von unsortiertem Material die Zeit fehlen würde und man sich die CD anschauen (wörtlich!) würde. Tja, man kann ja wohl nicht erwarten, dass ein vielbeschäftigter Literaturagent nichts besseres zu tun hat als sich eine CD  (= potentielles Hörbuch) eines neuen Autors an- oder zumindest reinzuhören. Ganz zu schweigen vom Lesen von Textproben. Nein, ein Exposee muss her! Alles andere ist offensichtlich Zeitverschwendung!  

Gab es eigentlich schon gute Bücher, bevor es Exposees gab? Mich würden die Exposes zu „Ulysses“, „Tropic of Cancer“ und „Die Asche meiner Mutter“ brennend interessieren. Der letzte der drei Titel fällt wohl  schon in die gegenwärtige  „Ohne-Exposee-geht-gar-nichts“ Periode, trotzdem glaube ich nicht, das Frank McCourt sich darauf eingelassen hätte.

Für mich persönlich ist das Thema Literaturagent (es gibt Analogien zum Fussballerberater, die hat  früher keine Mensch gebraucht) erst einmal abgeschlossen. Wofür haben wir schliesslich das Internet? Ist es ein Zufall, dass  ich  ausgerechnet an dieser möglicherweise wichtigen Weggabelung meiner „Karriere“ clevere Jungs kennengelernt habe, die mich nach einem Bühnenauftritt angesprochen haben. Sie boten mir an,  mir beim Aufbau einer Fangemeinde im Internet behilflich zu sein unter Ausschöpfung aller Möglichkeiten, sprich You Tube, Facebook, Twitter  und einer geilen Homepage. Zumindest die habe ich inzwischen!

Langer Rede kurzer Sinn: Ich habe vier wirklich unglaublich witzige CDs (und das ist nicht nur meine Meinung, sondern auch die meiner Mutter) mit Livemitschnitten sowie zwei bei  einem befreundeten Kleinverlag erschienenen Bücher (vgl.  Homepage) in petto, die alle nur einem kleinen Insiderkreis bekannt sind, und jetzt eben die beiden neuen Buchprojekte, die ich als sorgfältig produzierte Kompakt-Hardbacks (müssen gut in der Hand liegen und optisch ordentlich was hermachen) rausbringen möchte. Da müsste doch noch was gehen, verdammt noch mal! Und zwar ohne Expose!  Oder sollte ich vielleicht ein Expose ins Intenet stellen?

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Baumarkt

30.4.2011

War heute im Baumarkt einkaufen. Was mir aufgefallen ist: Früher haben die Leute sich auf solche Einkäufe vorbereitet,  Skizzen angefertigt und die Maße eingezeichnet,  heute fahren sie erstmal hin und telefonieren dann, vor dem Regal stehend,  wild durch die Gegend (ich konnte den Elektrosmog förmlich riechen), um die jeweiligen Spezifikationen beim zu Hause gebliebenen Lebensabschnittspartner  abzufragen bzw. von ihm  bestätigen zu lassen, was nicht selten erstaunlich lange und in gereiztem Ton geführte Diskussionen zur Folge hat, speziell wenn es sich bei der Auskunftsperson um eine Frau (ok, nicht zwingend) handelt, der man die Begriffe „Höhe/Tiefe/Breite“  erstmal soweit verklickern muss, dass eine Verwechslung ausgeschlossen bzw. deren Wahrscheinlichkeit minimiert wird. 

Hier werden speziell beim Kauf von Einbauobjekten die Weichen gestellt  für a)  ein friedliches oder b)  ein von massiven Vorwürfen („… zu blöd um eine Kante abzumessen…“)  bis hin zur endgültigen Trennung  (gibt es eigentlich nicht, nach dem Motto: Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist, aber es ist nie wirklich vorbei, solange nicht einer der beteiligten den Löffel abgibt)  geprägtes Wochenendes. Puhh, das war ein verdammt langer Satz! Ist er trotzdem rübergekommen?

Man kann im Baumarkt auch hautnah erfahren, was der vielbeschworene „Kampf um knappe Ressourcen“ bedeutet: Ein halbwegs kompetent aussehender Mitarbeiter im Fachgespräch mit einem Kunden, von 10 hilfesuchenden Kunden umlagert, alle auf eine Minigesprächspause, was heisst Gesprächspause, auf  ein Atemholen lauernd, um mit einem „Nur eine ganz kurze Frage!“ dazwischen zu gehen. Problem: Im Baumarkt ziehen auch einfache Fragen unweigerlich Zusatzfragen nach sich!

Dann noch ein baumarktspezifisches Phänomen: Wie erwische ich die richtige Kasse? Da kannst Du nicht wie im DM – Markt anhand des Wageninhalts ungefähr abschätzen, wie viel Zeit der einzelne Kunde an der Kasse beanspruchen wird – natürlich auch dort ohne Gewähr,  gerade bei Müttern mit Kinderwagen zeigt sich  an der Kasse plötzlich, dass dieser über eine Zusatzfunktion als Einkaufswagen von ungeahnter Kapazität verfügt. Nein, im Baumarkt sagen Menge und Grösse der Artikel auf dem Wagen wenig über das Problempotential am Point of Sale aus . Mir ist lediglich aufgefallen, dass bei jedem 2. Kunden ein Vorgesetzter herbeigerufen wurde,  wobei auch hier i.d.R.  ein erstaunlich umfangreicher Austausch von Argumenten Gegenargumenten stattfand. Aber vielleicht war das Zufall. Für eine statistischen Relevanz war die Stichprobe dann doch zu klein.

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Kämpfe gerade mal wieder gegen eine von diesen hirnrissigen Excel Funktionen, die man ohne Absicht ausgelöst hat (in diesem Falle eine sog. „Rahmenlinie“, d.h. eine rel. dicke gestrichelte Linie quer über das ganze Blatt), und die man ums Verrecken nicht mehr wegkriegt (jedenfalls wenn man zum Typus „Handbuch? Nee wie geht das?“ gehört). Oder man versuche mal, einen Text, der in  Excel mehrere Zellen einnimmt, in eine Worddatei zu kopieren, da wird man seines Lebens nicht mehr froh.  In solchen Momenten würde ich Bill Gates und seine „Eine-Funktion-geht-noch“-Programmiererautisten am liebsten auf den Mond schiessen. OK, die Computerfreaks rechtfertigen das ganze immer mit dem Argument, dass man jede einzelne Funktion deaktivieren kann. Ja wo sama denn! Ich gehe doch auch nicht ins Bordell und sage, was ich nicht will: „Heute ohne Zehenlutschen, das kriege ich bei der Fusspflege billiger!“.

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Ich tue mich schwer, Dinge wegzuschmeissen, insbesondere Kleinteile, die irgendwo herumschwirren, z.B. einzelne Schlüssel, bei denen niemand weiss, zu welchem Schloss sie passen, dann jede Form von Kunststoffteilchen, Zwischenstücken,  Kugelschreiberspiralen und speziell Verschlusskappen und Deckelchen – da habe ich immer die schmerzliche Vorstellung, dass irgendwo ein Filzstift oder Stabilomarker gerade qualvoll „verdurstet“. Immerhin bin ich jetzt schon soweit, dass ich Dinge, deren Funktion beim besten Willen nicht erkennbar ist, beim zweiten oder dritten Anlauf entsorge.

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Alleinstellungsmerkmal

Ein neues Unwort macht die Runde: das „Alleinstellungsmerkmal“. Unschwer zu erkennen, dass es einem kranken Marketingfuzzigehirn entsprungen sein muss, offensichtlich in der Absicht, ein wirkungsvolles Verkaufsargument auf ein Schlagwort zu reduzieren. Inzwischen wird es auch auf Menschen, insbesondere Künstler, angewandt (Casting Agent: „Und was ist denn nun ihr Alleinstellungsmerkmal?“)

Ich frage mich immer wieder, wie Menschen kommuniziert haben, als es solche seelenlosen Wörter noch nicht gab. Das ist noch gar nicht so lange her. Dazu gehören übrigens auch „Instrumentalisieren“, „Synergieeffekte“ und „Projektionsfläche“.

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Ein neuer Typ ist aus dem Alltag immer weniger wegzudenken: Der Handyautist. Dafür gibt es keine einsamen Menschen mehr. Früher konnte man bei Individuen, die allein im Lokal oder auf einer Parkbank sassen, oft in ein Buch vertieft, ihre Einsamkeit mit Händen greifen. Heute labern sie ins Handy oder verschicken eine SMS, und sei es an sich selber. Wenn du zu so einem konzentriert über sein Handy Gebeugten im Vorbeigehen sagen würdest: Weg hier, der Laden fliegt gleich in die Luft, würde er nicht mal aufschauen, sondern Dich völlig ignorieren oder mit einer genervten Geste weiterscheuchen.

Ähnliches Phänomen: Es gibt keine geschlossenen Gesellschaften mehr. Und das gilt nicht nur für private Feste und Bankettsituationen. Gerade bei Firmen-schulungen,  Klausurtagungen und Aktionärsversammlungen ist es immer das gleiche Bild: An der Peripherie hängen in jeder Kaffepause ein paar Wichtigtuer herum, die ihre Unentbehrlichkeit für die Aussenwelt demonstrativ unter Beweis stellen, indem sie mit ernster Miene und sehr konzentriert Anweisungen erteilen oder vermeintlich wichtige Informationen entgegennehmen.

Neulich war ich wieder einmal im Theater (wie fast immer eine Enttäuschung, wenn egomanische Regisseure, die sich selber Genieverdacht bescheinigen, ihre Finger im Spiel haben) und der Schlussapplaus war noch nicht verklungen, als gefühlte 50 % der Zuschauer ihr Handy zückten und die Zahl der eingegangenen SMS checkten. An ihrem Gesichtsausdruck (selbstgefällig, neutral oder enttäuscht) konnte man die ungefähre Zahl ablesen.

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Was ist eigentlich aus den indischen Rosenverkäufern geworden? Man sieht sie so gut wie gar nicht mehr. Wenn ich früher als einziger Single in einem Lokal voller  Heteropärchen sass (weil niemand mit mir ausgehen wollte, ich bin manchmal sogar allein zum Kegeln gegangen), war das meine einzige Genugtuung:  Ich musste i.G. zu den Kavalieren in Begleitung nicht ständig diese Typen abwimmeln. Vielleicht hat sich das mit dem schleichenden Niedergang Deutschlands und dem Aufstieg der Schwellenländer verlagert. Jetzt sind Deutsche in Indien als Rosenverkäufer unterwegs: „Ich Ich-AG, Du Rose!“

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Zum Schluss wie immer (ok, das ist übertrieben, weil das heute die Premiere ist) mein persönliches Fundstück der Woche – es kommt ja immer wieder vor, Gott sei Dank nicht allzu oft, dass ich einen Spruch eines Kollegen höre oder lese, bei dem ich mir wünsche, dass er mir eingefallen wäre. Heute stammt er vom britischen Kollegen Sean Hughes: „Wir haben alle irgendwann als Spermium begonnen und werden als Asche enden. Fazit: Das Leben ist wie in einen Aschenbecher wichsen.“

Das Problem ist nur: Man findet heute ja kaum noch Aschenbecher!

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Daddy Cool

Schon aufgefallen? Die Deutschen sitzen wieder im Strassencafe. Besser gesagt, sie zelebrieren es.  Das fängt mit der Sitzposition an. Den Arsch an der vorderen Stuhlkante, die Beine ausgestreckt oder lässig übereinandergeschlagen (in der Knöchel-auf-Knie-Variante, sieht noch entspannter  aus als Oberschenkel auf Oberschenkel), die Arme hinter dem Kopf verschränkt, falls nicht gerade am Handy herumfingert wird, um den Facebookfreunden mitzuteilen, dass man in der Sonne sitzt, kurzum: in dieser vermeintlich coolen Pose, die mit jeder Faser des Körpers signalisiert, um nicht zu sagen hinausschreit: „He Leute, ich bin Daddy Cool, der Lebenskünstler vom Dienst“! Soviel zu den Männern.

Bei den Frauen fällt vorallem auf, dass sie tagsüber die Gesichter wie Satellitenschüsseln millimetergenau auf die Sonne ausrichten, als ob es sich um eine nicht erneuerbare Ressource handeln würde, von der nur noch ein schnell dahinschwindender Restbestand existiert. Abends ist dann das sich in diese kuscheligen Decken einhüllen angesagt. Bei den Damen lasse ich es durchgehen, da lautet die Botschaft: „Ich bin fragil und schutzbedürftig, sprich feminin, aber ich trotze tapfer den Unbillen der noch kalten Frühligsnächte!“ Beim Mann bedeutet es für mich einfach nur:  „Ich bin ein Weichei!“

Kurzum: ich habe nie verstanden, was so toll daran sein soll,  in einem womöglich direkt an einer vielbefahrenen Strasse gelegenen  Freiluftcafe zu sitzen, wenn  der angenehm temperierte marmorgeflieste Innenraum die Alternative darstellt. 

 Fazit: Im Strassencafe zu sitzen hat mit Champagner, Analverkehr und Trüffeln  eines gemeinsam:   Alle drei werden masslos überbewertet. OK, Vergleiche waren  noch nie meine Stärke!

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Ein Phänomen, das nicht strassencafespezifisch ist, aber dort besonders nervt: Es hat sich allgemein eingebürgert, dass man in Lokalen und öffentlichen Verkehrsmitteln nicht nur einen Sitzplatz für sich beansprucht, sondern auch für  mitgeführte Taschen, Einkaufs-tüten und sonstige Utensilien, die konzentrisch um einen herumgruppiert werden. Platzsuchende Gäste / Fahrgäste werden erste einmal so gut es geht ignoriert. Falls diese es wagen, in devotem Tonfall die Bitte zu äussern,   die Zweckentfremdung der belegten Plätze möge doch bitte rückgangig gemacht werden, wird man erst einmal angeschaut, als ob man von einem andern Stern kommt. Dann zieht der Angesprochene eine beleidigte Fress , als ob er garade informiert worden sie, HIV positiv zu sein. An diesem Punkt mache ich dann meistens einen Rückzieher, nicht ohne die betreffende Person wissen zu lassen, dass ich neben so jemandem nicht sitzen möchte.

Es ist bekannt, dass im Showbusiness  mehr gekokst wird als sagen wir mal
im Kloster oder im Innenministerium. Inzwischen hört man aber immer häufiger Gerüchte, dass auch einzelne i.d.R. jüngere Kabarettisten dieser Droge nicht abgeneigt sind, weil der Leistungsdruck speziell bei hoher Fernsehpräsenz (da kann ich ja nun gottseidank nicht mitreden) immer grösser wird.

Wenn Sie mich fragen (aber mich frägt ja keiner): Ich finde, das ist nicht in Ordnung! Das ist unlauterer Wettbewerb! Das ist Doping! Die koksen sich den Wolf und verschaffen sich dadurch eine Bühnenpräsenz, die sich gewaschen hat, während sich unsereins – als verantwortungsvoller Familienvater – gerade mal ein Glas Rotwein zum Essen gönnt. Man hat schliesslich die teuren Internate der Kinder, die wegen Kiffens von der normalen Schule geflogen sind, zu finanzieren. Falls es sich nicht gerade um Salem im Allgäu handelt, wo inzwischen Drogentests eingeführt wurden, ist allerdings die Aussicht auf Drogenabstinenz eher theoretischer Natur, Internate gehören  nun mal zu den zugkräftigsten Drogendealermagneten.

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